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Dienstag, 25. März 2008

Stress ...

Es ist seltsam, dass wir das unscheinbare „Jetzt“ oft so abwerten, die vergangenen Zeiten glorifizieren oder verdammen und die künftigen mit übermäßigen Hoffnungen und Erwartungen betrachten. Kosten wir dieses „Jetzt“ nicht aus, sondern erwarten wir alles von der Zukunft, dann besteht die Gefahr, dass wir auch in den kommenden Zeiten nur enttäuscht werden, weil wir die konkreten Angebote des künftigen Augenblicks auch nicht so erschließen, wie sie auf uns zukommen. So leben wir vermeintlich nie, sondern hoffen zu leben, und so ist es unvermeidlich, dass wir in der Bereitschaft, glücklich zu sein, es niemals sind.

Das Unerledigte und Aufgeschobene, das uns bedrängt und das wir immer wieder verdrängen müssen, kostet nicht nur Energie. Im gleichen Maße, wie wir Energie abziehen, laden wir negative Energie auf, indem unsere Gedanken immer wieder darum kreisen und wir vielleicht ein schlechtes Gewissen haben und uns mulmig fühlen. Wir müssen handeln, denn ab einem bestimmten Zeitpunkt wird Nichthandeln zur Vermeidung.

Das komplizierte Leben, zu dem wir uns gezwungen glauben, macht es schwer, den Tag zu planen, viele Dinge zu bedenken, die Gewichtigkeit der einzelnen Aufgaben abzuwägen, die nächsten Termine schon im Blick zu haben. Das führt dazu, dass wir nicht mehr bei dem verweilen können, was wir gerade tun, weil immer schon die nächste Aufgabe wartet, eine weitere Tätigkeit ansteht. Also rationieren wir die Zeit, werden fahrig und nervös, vermengen die verschiedenen Bereiche, fühlen uns innerlich zerrissen und werden keiner Aufgabe mehr wirklich gerecht.

Vor der Vielfalt der Beanspruchungen können wir nicht mehr fliehen, aber wir können dafür Sorge tragen, dass diese Fülle verschiedener Aufgaben uns nicht zersprengt und zerstreut. Wenn wir durch das Übermaß an verschieden Aufgaben unter Druck geraten und im Wirrwarr der Anforderungen nicht mehr wissen, was wir tun sollen (und jedes Tun immer dadurch gestört wird, dass man noch andere wichtige Dinge ebenfalls tun müsste) kann es uns helfen, das wir innehalten.

Ich habe keine Zeit“ heißt vielmehr: meine Zeit ist bereits mit etwas uns wichtigerem verplant! Weil unsere Zeit durch festliegende Verpflichtungen scheinbar weitgehend ausgebucht ist, müssen wir für die verbleibende Zeit immer wieder Prioritäten setzen, müssen jeden Tag Entscheidungen treffen, was uns wichtig ist und was nicht. Wir müssen unsere Karten auf den Tisch legen. Wofür habe ich keine Zeit, was erachte ich als Zeitvertreib, und wofür bin ich grundsätzlich nicht bereit, einen Zeitraum zur Verfügung zu stellen?
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Donnerstag, 10. Jänner 2008

MarcusStarck.com im neuen Look

 Geschafft! Heute geht meine Website im neuen Look online. Ich hoffe, dass mein Webmaster es schafft die Beiträge von 2006 und 2007 aus dem Cybernirvana zu retten und nach und nach hier online zu stellen. Ich werde versuchen zumindest dreimal pro Woche etwas zu schreiben. Versprochen, oder so ...

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Samstag, 21. Mai 2005

Coldfoot Alaska und Betoota Queensland

Coldfoot alleine der Name dieses Ortes hat etwas. 1898 wurde hier Gold gefunden und das lockte die wildesten Typen an. 1908 bekamen die Goldsucher kalte Füße und zogen weiter nach Wiseman. Erst in den 70er Jahren, mit dem Bau der Ölpipeline, erwachte Coldfoot erneut zum Leben, als Versorgungsstation für Truckfahrer. Ein Ort voller wirrer Geschichten, ein Ort voller Inspiration. Irgendwann werde ich hier einen arktischen Winter verbringen. Vielleicht zieht es mich auch weiter nördlich nach Deadhorse, oder Barrow wo die Sonne zwischen 18. November und 24 Mai nicht aufgeht. Dafür aber die spektakuläre Aurora Borealis. Cold Foot, der Ideale Ort um zu schreiben?



Oder Betoota, Queensland, Population 1, Simon Remienko, 89, ihm gehört Betoota. Simon betrieb das Hotel am Ort, das er aber 1997 aus Altersgründen zugemacht hat. Er hatte einfach keine Lust mehr. Seither lebt er alleine hier, kein Telefon, kein Strom, außer vom Generator, keine Gesellschaft. Simon ist sicher eine Fundgrube für interessante Geschichten ...

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Freitag, 20. Mai 2005

Warnung vor explodierenden Klos

Hier in Down Under lebt sich's gefährlich. Haie, Schlangen, Quallen, Spinnen, Krokodile, alle trachten sie einem nach dem Leben. Jetzt kommen dazu noch explodierende Toiletten!

In Sale (Viktoria) wurden von der Stadtverwaltung Broschüren verteilt, in denen die Bewohner aufgefordert werden ihre Klodeckel in der kommenden Woche geschlossen zu halten und mit einem Gewicht zu beschweren.


Grund der Warnung ist die Reinigung der Abwasserrohre per Hochdruckstrahl. Bei einer ähnlichen Reinigungsaktion vor drei Jahren war in einem Haus der Inhalt der Abwasserleitungen durch die Toilette hochgespritzt und ... naja den Rest überlasse ich eurer Fantasie.

Die Broschüre erwähnte übrigens nicht, ob die Bewohner von Sale trotz der Sicherheitsvorschriften während der einwöchigen Säuberungsaktion noch aufs Klo gehen dürfen oder stattdessen den Stadtpark ...

Dazu fällt mir gleich eine witzige Kurzgeschichte ein ...
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Donnerstag, 19. Mai 2005

Babypuder

Wie finde ich meine Geschichten? So zum Beispiel:

Ein deutsches Pärchen, das mit ihrem 18 Monate alten Baby durch Australien reisen wollte, wurde in Melbuorne wegen Kokainschmuggels in einer Babypuderdose verhaftet. Langweilig das Ganze, oder?


Nicht wenn die australische Polizei bei einer Gruppe von Drogenspürhunden einen misslichen Erziehungsfehler gemacht hätte: Die Tiere sind dummerweise so ausgebildet worden, dass sie statt Kokain das in Babypuder enthaltene harmlose Talkumpulver erschnüffeln.

Was kann man daraus machen?

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Montag, 9. Mai 2005

Irgendwann ...

... werden mir sicher keine Ausreden mehr einfallen. Eine verletzte Schulter klingt zumindest gut, hindert mich aber nicht wirklich am Arbeiten. Trotzdem, im Moment habe ich so viel um die Ohren, dass ich zu dem was ich am liebsten mache — SCHREIBEN — nicht mehr komme. (Oder ist das auch bloss eine Ausrede?)

Morgen früh, gleich als Erstes, setze ich mich hin und schreibe mindestens 20 Seiten!


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Vertrauenserweckend

Mein Arzt suchte heute in Google um eine Antwort auf einer meiner Fragen zu finden...



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Samstag, 7. Mai 2005

Nostalgische Gefühle

Dabei dachte ich die wären alle längst abgebaut.

Lange habe ich es nicht gehört, das Klimpern der Münzen, das Rauschen im Hörer, die Gespräche der Passanten und den Satz: »Mach schnell, ich ruf aus einer Telefonzelle an«. Das Beste: Der Anrufer, ein Freund aus Österreich fragte, wo er denn eine günstige australische Pre-Paid Karte für sein deutsches Handy bekäme.


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Samstag, 16. April 2005

Vom Pferd gefallen

Das klingt zwar lustig ist es aber nicht. Ich bin vom Pferd gefallen. Was musste ich mich auch von meiner dreizehnjährigen Tochter Marie-Cecile überreden lassen, zusammen mit ihren Freundinnen einen Ausritt im australischen Busch mitzumachen. Die Pferde waren viel größer, als ich sie in Erinnerung hatte. Vielleicht bin ich geschrumpft? Trotzdem wollte ich mir keine Blöße geben. Daddy-Cool. Natürlich habe ich mich grenzenlos überschätzt und musste galoppieren. Da war dann noch ein Ast ...

Bis Mitte Mai werde ich an den Folgen leiden, sagt der Arzt. Verreisen kann ich nicht und ich habe ehrlich gesagt auch keine Lust voll gepumpt mit Codein vierundzwanzig Stunden in einer engen Aluröhre zu sitzen.

Zur Criminale kann ich jetzt leider nicht kommen. Dabei habe ich mich so sehr darauf gefreut. Auch den Blog kann ich im Moment nur unregelmäßig führen. Mit einer Hand tippt es sich so schwer...
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Montag, 4. April 2005

Territorium

Hunde markieren ihr Territorium indem sie — meist das linke hintere — Beinchen heben und ihre persönliche Marke hinterlassen. Auch wir Homosapiens hinterlassen unsere persönlichen Markierungen. Nein, wir pissen eher selten an den nächsten Laternenpfahl. Obwohl, wenn ich richtig betrunken bin ... Lassen wir das.

Unseren persönlichen Stil zeigen wir durch unsere Erscheinung. Individuell, aber doch nicht zu abgefahren. Auch durch unsere Wohnungseinrichtung. Ist euch schon einmal aufgefallen, dass die Meisten als erstes, wenn sie in eine neue Wohnung einziehen, die Tapeten herunterreißen, die der Idiot mit dem schrecklichen Geschmack, der vorher hier wohnte, hinterlassen hat? Dann ab in den nächsten Obi, neue, geschmackvolle Papierrollen für die Wand besorgen.

Ein Vorschlag, um das Ganze wirklich spannend zu machen. Besorgt Euch beim nächsten Umzug zusätzlich einen Eimer roter Farbe und einen breiten Pinsel. Nachdem die alte Tapete, genau, die, die der geschmacklose Idiot, der vorher hier wohnte, angeklebt hat, nachdem also diese Tapete herunten ist, klatscht ihr erst einmal ein paar unansehnliche Flecken an die Wand. Die rote Farbe muss dabei überall hinspritzen. Danach schreibt mit riesigen Blockbuchstaben folgenden Text über die Kleckse:

ICH WERDE WIEDER TÖTEN

Erst dann bekleistert die Wohnung mit eurer neuen, natürlich wirklich geschmackvollen Tapete.

Jetzt stellt euch das Gesicht des nächsten Bewohners vor, der die Tapete entfernt, die der geschmacklose Idiot vor ihm ...

PS: Entschuldigt bitte, dass ich den Blog die letzten Tage vernachlässigt habe. Ich hatte einfach keine Lust den Computer anzumachen. Ich saß mit Papier und Bleistift am Strand und habe das Konzept zu »Die schwarzen Tränen der Sonne« komplett umgearbeitet.

PPS:Leider hat sich der anonyme BlogPostGewinner der Flasche Wein nicht bei mir gemeldet. Der Preis geht daher an Marion, die mit ihrer Antwort am Nächsten lag. ... (Hier klicken um weiter zu lesen)

Samstag, 26. März 2005

Shark Shield

Heute war ich froh das Haifischsteak abgelehnt zu haben, aber auch um das lächerlich aussehende »Shark Shield«, dass mein Tauchbuddi um den Knöchel geschnallt hatte.

Ein kleiner großer Weißer schwamm direkt auf mich zu. Er war mindestens zweieinhalb Meter lang. Erst habe ich ihn nicht bemerkt und den Schatten für den meines Buddies gehalten. Als ich aufsah blieb mir fast das Herz stehen. Ich tauche jetzt seit 8 Jahren, war aber noch nie einem Hai so nahe, außer im Aquarium of Western Australia getrennt von einer zwei cm dicken Glasscheibe. Schon der Anblick der kleinen Beißerchen, mit denen er mich angrinste verschafften ihm meine volle Aufmersamkeit. Das Einzige mit dem ich mich hätte wehren können war die kleine Klinge meines Tauchmessers, das ich am Knöchel trug. Der graue Fisch hatte gut Grinsen.

War das die gerechte Strafe, dass ich nicht an meinen Belegen saß? Arbeitet der Hai vielleicht für’s Finanzamt? Oder hat er mich mit einem südafrikanischen Buchhalter verwechselt?

Eines weiß ich ganz sicher. Die nächste Investition ist ein »Shark Shield«. Als mein Partner es aktivierte verzog sich der Hai. Er kreiste zwar weiter in zirka sechs Meter Entfernung um uns, versuchte immer wieder näher zu kommen, doch das Gerät hielt ihn sehr effektiv von uns fern. Jedes Mal wenn er näher kam, schien er wie von einer Peitsche getroffen. Es dauerte nicht lange und er gab auf.

Stoff für ein neues Buch? Hm, muss mal darüber nachdenken was man daraus machen könnte
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Mittwoch, 23. März 2005

What the ...?

Finde einen Steuerberater, der mal so nebenbei über Ostern zwei Jahre Buchhaltung und Steuererklärungen nachholt.

Keine Chance! Nicht wenn es draußen 36 Grad hat, das Meer glasklar blau funkelt und die Freunde den Grill am Strand angeworfen haben. Nur ich sitze hier, die Jalousien geschlossen, ein neues Buchhaltungsprogramm installiert und quäle mich mit unsortierten Belegen ab. Dem Finanzamt sind Ostern, Strand und schönes Wetter egal. Bis Donnerstag wollen die meine Unterlagen auf dem Tisch haben. Also muss ich selber ran.

Dabei würde ich jetzt viel lieber an »Die schwarzen Tränen der Sonne« weiter schreiben.

Zum Schluss noch ein Fundstück aus einer Fernsehwerbung für Lebensversichungen der »Insuranceline«:

... we will give you a refund, if you die of any other cause ...

What the ...?
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Montag, 21. März 2005

Computersterben und Recycling

Das wichtige zuerst. Mein Sohn Jonathan wird heute 18. Herzlichen Glückwunsch Sohnemann! Hoffe du stehst jetzt gut auf den eigenen Beinen und merkst irgendwann, dass geben und nehmen Eins sind!

Zurück zum Thema: Mein alter iMac hat knisternd sein Leben ausgehaucht. Eine Reparatur lohnt sich nicht. Was tun mit dem alten, lieb gewonnenen, jetzt jedoch völlig nutzlosen Stück blauer Technik?

Da war doch noch dieser alte Apple Colour Classic am Speicher? Warum nicht die Innereien des iMacs in das antike Gehäuse des Würfelmacs einbauen?


Und wenn wir schon dabei sind machen wir aus dem blauen Mac gleich ein iMacquarium.

Der neue Macintosh im alten Gewand erwies sich komplizierter als angenommen, das Macquarium dagegen war relativ einfach. (Hier eine kurze Anleitung, wie man aus einem iMac ein Aquarium baut.) Vielleicht besorge ich mir einen der ersten Apple Laptops, klebe den Schirm an die Rückseite des Tanks und habe so einen funktionierenden Computer mit lebendigem Screensaver?

Das Ergebnis ist eine superschneller 1990er Color Classic und ein hübscher Blickfang im Büro.
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Sonntag, 20. März 2005

Shark Filets...

... lagen heute auf dem Grill. Sah interessant aus und Hai habe ich noch nie gegessen. Trotzdem habe ich mich dagegen entschieden. (Dabei wären Haifischsteaks in meiner Diät erlaubt.)

Merken Haie einem an, dass man einen ihrer Artgenossen bei einem netten Babeque verspeist hat? Was wenn ich beim nächsten Mal tauchen dafür auf der Speisekarte dieser riesigen Fische stehe? Ich meine im Wasser bin ich nicht mehr ganz so weit vorne auf der Nahrungskette.

Kühe dagegen sind ungefährlich. Kühe greifen einen nicht an, wenn man Nasebluten hat, auf Ihre Weide pinkelt oder am Vortag ein Steak gegessen hat. Ein Hai schon. Ein Hummer nicht, ein Thunfisch auch nicht, von Lachs und Snapper ganz zu schweigen. Auch Huhn und Truthahn gehen nicht zum Gegenangriff über, wenn man ihre Spezie mit jungem Gemüse, in Weißweinsoße oder mit frischen Kroketten zum Nachtmahl nimmt.

Haie dagegen haben scharfe Zähne, sind schnell und vor allem im Meer zu Hause. Nein Danke, dieses Steak soll ein Anderer essen, einer der nur im Pool schwimmt und nicht zum Tauchen geht.

Meine Süße hatte ein besseres Argument. Eines, das alle Haifischteaks unbeachtet auf de Grill verkohlen ließ. Sie esse keinen Hai, erklärte sie, weil man nie wissen könne, ob dieser Hai nicht schon einen Menschen gegessen hat. Indirekter Kannibalismus wäre das. Sie könne nicht verstehen, wie man überhaupt auf die Idee kommen könne so etwas auf den Grill zu legen ...
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Freitag, 18. März 2005

Die vergessenen Kinder der SIEV-X

Am 18. Oktober 2001 sticht im kleinen indonesischen Hafen Bandar Lampung ein namenloses Fischerboot in See. Ein alltäglicher Vorgang, doch dieses zwanzig Meter lange und vier Meter breite Boot soll später unter dem Namen SIEV-X (Suspected Illegal Entry Vessel X) traurige Berühmtheit erlangen. Es bietet Platz für maximal fünfzig Passagiere. An diesem Tag drängen sich jedoch über vierhunderteinundzwanzig Asylsuchende aus dem Irak, Afghanistan und dem Iran auf der SIEV-X. Alle haben sie ein Ziel: Australien, das Paradies, dort wollen sie ein neues Leben beginnen.

Um drei Uhr morgens, einundfünfzig nautische Meilen vor der Küste West Javas, sinkt das Boot innerhalb von zwei Minuten. Fünfundsechzig Männer, einhundertzweiundvierzig Frauen und einhundertsechsundvierzig Kinder ertrinken. Nur vierundvierzig Überlebende werden nach zwanzig Stunden von indonesischen Fischern geborgen und in Internierungslager für illegale Einwanderer gebracht. (Nebenstehendes Bild zeigt keine SIEV-X Überlebenden. Es stammt von der sogenannten »Children Overboard« saga.)

Die SIEV-X ist kein Einzelfall. Auf dieses Problem wurden die Medien jedoch erst aufmerksam, als der Kapitän desnorwegischen Containerfrachters »Tampa« schiffbrüchige Flüchtlinge aus dem Meer fischte und weder Australien noch Indonesien sich für diese Menschen zuständig fühlten. Der medienwirksame Skandal war schnell wieder vergessen und die betroffenen Menschen wurden zu nackten Zahlen einer kalten Statistik. Die Überlebenden der SIEV-X kamen in Internierungslager für illegale Einwanderer.

Das australische System der Zwangsinternierung für »illegalisierte« Immigranten wurde Anfang der neunziger Jahre von der sozialdemokratischen Labour-Party eingeführt. Damals gab es mehr Freiheiten für die Asylsuchenden. Die konservative Howard-Regierung verschärfte die Bedingungen in den Lagern drastisch, vorwiegend um ein Exempel zu statuieren und Asylsuchende abzuschrecken, die gefährliche Reise nach Australien überhaupt in Erwägung zu ziehen. Fast alle Lager liegen weit abseits von größeren Städten im wüstenähnlichen Outback. Kontakt zur Außenwelt ist schwierig. Wenn Medien Zugang zu den Lagern erhalten, was nur selten vorkommt, dann nur unter schärfster Aufsicht. So wenig Informationen wie möglich sollen an die Öffentlichkeit gelangen.

In den Lagern herrschen unvorstellbare Zustände. Die Internierten, ohnehin schon vom Schicksal schwer geschlagen, werden dort bis zu fünf Jahren festgehalten um dann zu erfahren, dass ihr Antrag auf Asyl abgewiesen wurde und sie das Land verlassen müssen. Hungerstreiks, Selbstmorde und Aufstände, die von den Behörden rigoros und vor allem mit unnötiger Brutalität niedergeschlagen werden, sind an der Tagesordnung.

Die Situation in den Internierungslagern hat vor allem den Ruf nach der Freilassung von Kindern lauter werden lassen. Ende 2003 waren fünfhundertzweiundachtzig Kinder in australischen Internierungslagern, darunter dreiundfünfzig ohne jeglichen Schutz von Eltern oder Bekannten. Die unabhängige »Australian Human Rights Commission« untersuchte im Auftrag der Regierung die Zustände in den Lagern und stellte neben Menschenrechtsverletzungen auch eindeutige Verstöße gegen die 1990 von Australien unterzeichnete UN-Konvention zum Schutz des Kindes fest. Der Bericht wurde zwar im australischen Parlament zur Kenntnis genommen, jedoch als nicht relevant abgetan. Originalzitat:

The government rejects the major findings and recommendations contained in this report. The government also rejects the Commission's view that Australia's system of immigration detention is inconsistent with our obligations under the United Nations Convention on the Rights of the Child.
So einfach geht das. ... (Hier klicken um weiter zu lesen)

Donnerstag, 17. März 2005

Autolos

Wer erinnert sich nicht an Angelo, den flotten Italiener, der der hübschen Blondine Cappuccino macht, während sie sich darüber beschwert, dass er seinen Wagen auf ihren Parkplatz parke.

Nun gut, die Größe passt ja einigermaßen, aber bei der Haarfarbe hapert’s. Von der Figur brauchen wir gar nicht anzufangen. Obwohl seit 1. Februar habe ich 18 kg abgespeckt. Ich bin auf dem richtigen Weg.

Doch das war nicht unser Thema.

Wie Angelo habe ich kein Auto. Seit letzten September benutze ich mein Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel, nachdem ich mir dreiundzwanzig Jahre nicht vorstellen konnte ohne Wagen zu sein. Dennoch es funktioniert. Ohne Handy, ohne Auto, nur das Internet gebe ich nicht her ;-)
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Mit dem Hut in der Hand...

Ein freundliches Lächeln, ein »Guten Tag, wie geht es ihnen heute«, ein »Danke schön« zum Busfahrer oder ein paar nette Worte zur Kassiererin im Supermarkt kurz vor Feierabend bewirken Wunder. Aber muss man das wirklich extra sagen?

Ein »Lieber xxx« am Anfang eines E-Mails, in Internetforen oder Mailinglisten und ein »Mit freundlichen Grüßen« am Ende schadet sicher genauso wenig, wie das Vermeiden des Imperativs. Daraus jedoch ein Problem zu machen finde ich etwas seltsam. Auch den Drang Andere unbedingt zur Höflichkeit erziehen zu wollen.

Mir ist es völlig egal ob ein E-Mail mit

Dear Marcus,

Hi there
Oder
I need the text tomorrow 9:00 am
anfängt und mit
Sincerely yours,

Have Fun,

life is a beach
oder mit
I need the text tomorrow 9:00 am
aufhört.

So, und jetzt muss ich wieder an die Arbeit. Die Mails im Imperativ mehren sich in meiner Inbox ;-) ... (Hier klicken um weiter zu lesen)

Mittwoch, 16. März 2005

Sehr geehrte Damen und Herren,

bitte schön, danke schön, mit freundlichen Grüßen, darum geht es derzeit in einer Diskussion auf einer Journalisten Mailingliste. Die Umgangsformen in elektronischen Medien wie Internetforen, E-Mails, Mailinglisten, etc. gingen vor die Hunde. Wir müssten etwas dagegen tun. Eine Kollegin schreibt gar

> Alles Emails, auf die ich nicht reagiere.
> Noch nicht mal auf den Eilauftrag.
> Da hat Kunde dann Pech gehabt.


Genau, dann hat er eben Pech gehabt.

Eigentlich unglaublich, wie man in Deutschland seine Kunden behandelt. Aber warum überrascht mich das eigentlich? Das ist genau die für Deutschland so typische Kundenfreundlichkeit.

Grüßt du mich nicht, sagst du nicht ganz brav »Bitte schön« und »Danke schön«, denn erzieht dich die Mama eben dazu. Kapierst du es dann immer noch nicht, dann kannst du mich mal. Dann will ich deinen Auftrag nicht. Den kannst du dir sonst wohin stecken.

Was der Kunde dann auch meistens macht und wo anders kauft.
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Montag, 14. März 2005

MAIDS oder: »Ich abe gar kein Ändy«

Gleich vorweg. Ich bin bekennender ›Handy Verweigerer‹, halte diese Dinger für völlig überflüssig.

Dafür haben andere Zwei. Das hat eine repräsentative Umfrage des Internetportals Onlinekosten.de ergeben. 15 Prozent der Befragten gaben an, nur mit einem Mobiltelefon nicht zufrieden zu sein. Der Grund: Das Erst-Handy ist ihnen zu klein, zu leicht und enthält zu wenige Funktionen. Achtundsiebzig Prozent der Deutschen haben mindestens ein Mobiltelefon.

Hier in Australien ist es noch schlimmer. Heute kam ein Newsletter der Grundschule, die sich wegen der vielen Handys in den Klassen gezwungen sah eine ›Mobile Phone Policy‹ zu erstellen.

Mobiltelefone spülen den letzten Rest Benehmen in den Gully. Die meisten Zeitgenossen lassen sich durch ein klingelndes Handy aus jedem noch so interessanten Gespräch reissen, um dann absolut wichtige Nebensächlichkeiten zu erfahren, wie zum Beispiel, dass die Freundin heute Abend nicht zum Essen kommen kann, oder man doch bitte noch Zucker besorgen könnte bevor man nach Hause fährt.

»Ja«, höre ich die, die ohne Handy nicht mehr ins Bett gehen sagen. »Man kann das Handy auch abschalten!«

Könnte man, wenn man wollte, oder nicht an der neuen Krankheit MAIDS (Mobile and Internet Dependency Syndrome) leiden würde. MAIDS ist übrigens eine gute Ausrede für den Verlust des guten Benehmens. Unter MAIDS verstehen die Psychotherapeuten neuerdings, wenn jemand nervös wird und feuchte Hände bekommt, wenn er das Handy zu Hause liegen ließ, wenn der Akku plötzlich leer ist und weder telefoniert werden kann noch SMS geschrieben werden können oder wenn es im Moment keine Möglichkeit gibt, ins Internet zu kommen.

Nach einer von der britischen Bank Lloyds TSB in Auftrag gegebenen Umfrage fühlen sich zwei Drittel aller Handy-Besitzer bereits unwohl, wenn sie merken, dass sie ihr Handy vergessen haben, drei Prozent werden gar ängstlich oder panisch. Bei Internet-Entzug ist die Quote ebenso hoch: 70 Prozent drehen nach eigenen Angaben durch, wenn sie nicht täglich ihre E-Mails checken können.

Jetzt kann ich meiner Süßen endlich einen Grund nennen, warum ich manchmal stundenlang sinnlos im Netz verbringe. Nicht meine Schuld, ich leide unter IDS ...
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Sonntag, 13. März 2005

Lieber Lars,

ich möchte an dieser Stelle auf deinen gestrigen Kommentar antworten.

Lars@Krimi-Couch schrieb...

Marcus, Du vergleichst Äpfel mit Birnen. Hotel Terminus als Buchtitel und Setting hier, Hotel Terminus als Tatort eines tatsächlichen Verbrechens da. Andererseits: Der Täter namens Klaus Barbie hier, eine weibliche Spielzeugpuppe da, die Ihren Namen von einem US-Konzern erhalten hat. Dazu kommt natürlich die Nähe von "Barbie" zum Vornamen Barbara - also irgendwie sehe ich nicht ganz ein, warum Du Ludgers absolut legitimen Hinweis ins Lächerliche ziehst.
Tue ich das? Ich denke, der Name Hotel Terminus im Zusammenhang mit einem Roman ist genauso unbedeutend wie der Name Barbie in Zusammenhang mit einer Puppe.

Lars, Ludgers Antwort auf deinen Hinweis, es gäbe noch viele Hotels mit dem Namen Terminus, spricht für sich und bedarf keines weiteren Kommentars.
- Ja, schlimm genug. Googelt man nach “Hotel Terminus” ist es erschreckend, wieviele Hotels sich heute noch so nennen. Unverständlich.
Genauso könnte man sagen es ist unverständlich warum sich Barbie Barbie nennt (und nicht Lilli) und Dachau, Mauthausen, Buchenwald, etc. ihre Ortsnamen auch nicht geändert haben.

Das was die Nazis in Europa vor 60 Jahren angerichtet haben hat mit den Namen der Plätze an denen sie ihre unvorstellbaren Verbrechen begangen haben nur peripher zu tun, auch wenn diese Namen zu Synonymen für unvorstellbare Gräueltaten geworden sind. Wir sprechen jedoch von einem der dunkelsten Flecken der Menschheitsgeschichte, den wir nicht vergessen dürfen! Wir sind verpflichtet zu verhindern, dass so etwas unvorstellbares jemals wieder passiert. Wir sollten aus diesen dunklen Flecken unserer Geschichte, derer es leider viel zu viele gibt, lernen.

Tun wir aber nicht. Viel schlimmer ist, dass Rechts wieder salonfähig ist. Das was Barbie vor 60 Jahren in Lyon gemacht hat, passiert heute, hier jetzt auf unserem Planeten. Alltäglich, menschenverachtend und in einem Ausmaß, das wir uns gar nicht vorstellen können.

Aber nein, lass uns doch in die andere Richtung sehen und statt dessen einen unglücklich gewählten Romantitel diskutieren.

Abu Gharib, Woomera, Baxter, Guantanamo Bay, das sind Namen die wir diskutieren sollten, denn in diesem Zusammenhang wirkt die Diskussion um einen, zugegebenermassen ungeschickt gewählten Romantitel, mehr als lächerlich.
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