Donnerstag, 10. Februar 2005

Von Männern geschriebene Krimis ...

... seien überschätzt, so Kollegin Jutta Motz in der aktuellen Ausgabe der Befragungen von Gisela Lehmer-Kerkloh und Thomas Przybilka. Sie untermauert dieseThese mit einem Zitat von Sara Paretsky am Bouchercon 2004 in Toronto:

"Männer werden sieben Mal so oft in Zeitungen besprochen, wie Frauen, die Krimis schreiben. Ich bin bereit anzunehmen, dass Männer doppelt so gut schreiben, wie Frauen, aber sieben Mal so gut?"
Diese Behauptung kann eigentlich so gar nicht stimmen und ist absolut nicht nachprüfbar. Um wirklich eine fundierte Aussage zu treffen, hätte Ms. Paretsky auch das Verhältnis von weiblichen zu männlichen Schriftstellern berücksichtigen müssen. Vielleicht schreiben ja in Kanada sieben mal so viele Männer Krimis und werden deshalb sieben mal öfters besprochen als ihre weiblichen Kollegen?

Trotzdem, Jutta Motz hat hier einen interessanten Punkt angesprochen. Doch wie will man überprüfen, ob Frauen wirklich von den deutschen Kritikern vernachlässigt werden?

Wie ist das Verhältnis Frauen/Männer im Syndikat? Das sollte eigentlich einen repräsentativen Querschnitt geben, die Stichprobe ist groß genug. Ich mach mir mal die Arbeit und zähle nach ...

... Okay hier kommt meine, natürlich nicht gefälschte Statistik: Im Syndikat kommen auf zwei Krimischriftstellerinnen drei Krimischriftsteller. (1:1,5). Rezensionen kann ich nicht nachprüfen, aber meine geliebten Krimipreise! Wie sieht es dort aus? Betrachtet man das Geschlecht aller für den Glauser nominierten Autoren zusammen mit den Gewinnern des DKP (Rang 1-3) bekommt man folgendes Bild:

Auf jede Schriftstellerin kommen 4,3 Schriftsteller, die einen Preis gewonnen haben oder zumindest nominiert wurden.

Das beweist, dass wir Männer knapp drei Mal so gute Krimis schreiben wie unsere Kolleginnen und nicht, dass wir überschätzt sind. Nicht rummotzen, Ladies findet euch damit ab ;-).

Alles Gute vom anderen Ende der Welt wünscht euch ein heute etwas chauvinistischer

Marcus Starck

PS: Die Zahlen dürfen gerne mit Quellenangabe zitiert und selbstverständlich auch völlig anders interpretiert werden :D ... (Hier klicken um weiter zu lesen)

Mittwoch, 9. Februar 2005

Rituale

Jeder hat sie, diese kleinen Rituale, eine Routine, die er jeden Tag durchläuft. Bei mir läuft Morgens folgendes Programm ab.

Aufstehen, Zähneputzen, am Strand entlanglaufen, Computer einschalten, Duschen, Frühstücken, die Kurzen zur Schule. Danach die On-Line-Ausgaben der wichtigsten deutschen Zeitungen und E-Mails checken.

Ach den Helmut gibt’s auch noch, antworten werde ich später. Hey hier hat mir ein Leser geschrieben. Die Beiden schnell mit einem Fähnchen markieren. Reinhard Jahns Presseschau wird genauer gelesen. Ein ›riesengrosses‹ Danke schön Reinhard, für diesen Service!

So, jetzt lass uns mal sehen was es bei Peter J. Kraus so neues gibt. Neid. Aloha, der Sack ist immer noch auf Hawaii. Hey Peter wann kommt jetzt endlich dein Geier 2? Horst Eckert hat auch wieder einen Neuen, den muss ich gleich auf meinen Wunschzettel stellen. Übrigens Horst, gut gemacht die neue Website.

Welche Bücher hat denn Ludger wieder auseinander genommen?. Schnell noch einen Blick in Toms Krimitreff und in die Alligatorpapiere. Danach geht es auf Lars Schaffts Krimicouch , auf der ich es mir dann eine halbe Stunde bequem mache. Ganz zum Schluss checke ich noch das Amazon Ranking von SexDotCom. Hey es hat sich um 5000 Plätze verbessert!

Erst noch meinen Eintrag im täglichen Blog. So, und jetzt muss ich weiter an meinem neuen Manuskript "Die schwarzen Tränen der Sonne" arbeiten.

Alles Liebe aus dem sommerlichen Perth

Marcus Starck
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Dienstag, 8. Februar 2005

Glauser vs. Deutscher Krimipreis

In meiner E-Mailbox schlugen gestern einige Kommentare zu den wichtigsten deutschen Krimiauszeichnungen auf. Der Grundtenor:

Beim Glauser werde ohnehin nur gemauschelt, man brauche Beziehungen um überhaupt in die Jury zu kommen. Selbst die Frage, ob die Juroren für die Bücher selbst bezahlen müssten, wurde gestellt. Einer sagte: »komm schon gib’s zu, die Verlage machen doch nette Geschenke, dass ihr Buch gewinnt.« Auch der deutsche Krimipreis sei ein Witz. Man betrachte nur die Auszeichnungen von diesem Jahr, Schätzing wäre gar kein Krimi und der größte Witz wäre, dass sich Krimikritiker als Literaturwissenschaftler bezeichnen würden. Lars Schafft von der Krimicouch hätte letztes Jahr mit seiner Kritik am DKP recht gehabt usw. usf.


Alien vs. Preditor. Hier werden Bananen mit Affen verglichen. Was sind die beiden Preise eigentlich?

Der deutsche Krimipreis — Ein Titel ohne Mittel?

Er wird wie folgt vergeben (Quelle: http://www.kaliber38.de/preise/dkp.htm)
Der Deutsche Krimi Preis ist eine Auszeichnung, mit dem eine rund dreißigköpfige Jury aus Kritikern, Buchhändlern und Wissenschaftlern einmal im Jahr ihre Favoriten prämiert. Die Juroren sind aufgerufen, die Neuerscheinungen des Jahres zu sichten, und dürfen ihre drei Favoriten in den Kategorien "National" und "International" mit drei, zwei und einem Punkt auszeichnen. Schließlich werden alle Zettel ausgewertet, die Punkte zusammengezählt und in den beiden Kategorien jeweils das Buch, das die meisten Punkte auf sich vereinigen konnte, zum Preisträger des Jahres ernannt. Ebenfalls benannt werden die Titel, die auf die zweiten und dritten Plätze gelangten.

Ich finde das Verfahren ist relativ transparent. Dass hier einiges durch den Rost fällt ist vorprogrammiert und läßt sich nicht vermeiden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Juroren alle Neuerscheinungen des Jahres ... sichten. Wie viele sind das? 1500? Berücksichtigen wir nur die Originalausgaben kommen wir immer noch auf 750.

Aber darum geht es gar nicht. Der DKP ist eine Auszeichnung, ohne Preis. Deutscher Krimipreis kling gut und die Aufkleber auf den ausgezeichneten Büchern machen was her. Doch das wars dann auch schon.

Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt für einen Krimipreis eher unspektakulär und fade, vergleichbar mit einem Krimi, bei dem man auf den ersten Seiten schon erfährt, wer der Mörder ist. Die Spannung ist irgendwie ruiniert, wenn man, wie im letzten Jahr, im Januar eine PR-Meldung mit den Gewinnern versendet, dem Sieger aber erst im Oktober die Urkunde übergibt. Ein Preisgeld gibt es ohnehin nicht, aber ›viel Ehr‹ für den Ausgezeichneten.

Außer einer kleinen Gruppe von extrem loyalen Krimifans, engagierten Buchhändlern den Autoren und vielleicht noch den Verlagen, nimmt von der Vergabe in der jetztigen Form niemand Notiz. Das könnte man ändern, indem man sich finanzstarke Sponsoren sucht, das Ganze etwas spektakulärer aufzieht und den Preis dem Namen entsprechend dotieren würde.

Doch Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass genau das in Deutschland als anstößig gilt. Event, Vermarktung, Selbstvermarktung, Verkaufszahlen steigern...

»ihhhhhhgitt Pfui! Wie kannst du nur! Hey, wir sind hier doch nicht in Amerika! Junge wir sprechen von Literatur nicht von Kommerz! Literatur und Kunst vermarkten? Du bist wohl zu lange ohne Hut in der australischen Sonne gesessen, was? Sag spinnst du jetzt total? Also wirklich!«

Sure Buddy, I hear you!

Ist der Friedrich Glauser Preis besser?

Eigentlich eine blöde Frage. Was ist besser, Oscar oder Golden Globe? Nochmal: Wie soll man eine von Kritikern vergebene Auszeichnung mit einem von Autoren vergebenen Preis vergleichen?

Sorry mate, same diff.

Der Glauser wird wie folgt vergeben (Quelle: http://www.das-syndikat.com )
Zur Erinnerung an ihren "Schutzpatron" verleiht das SYNDIKAT jedes Jahr im Rahmen der CRIMINALE den GLAUSER-Autorenpreis deutsche Kriminalliteratur, dotiert mit 5000 Euro (bis 2001: 10.000 Mark) in kleinen, nicht fortlaufend numerierten Scheinen, für den besten deutschsprachigen Kriminalroman des vergangenen Jahres, sowie einen "Ehrenglauser" für das Gesamtschaffen einer Person, die sich in besonderem Maße um den deutschen Kriminalroman verdient gemacht hat. Der "Ehrenglauser" ist nicht dotiert und wird in Form einer Bronzefigur des "Wachtmeister Studer". Ab 2002 wird der GLAUSER auch den Sparten DEBUTROMAN (dotiert mit 1500 Euro) und KRIMINALSTORY (dotiert mit 1000 Euro) verliehen. Darüber hinaus vergibt das SYNDIKAT seit 2001 den nach dem Autor Hansjörg Martin benannten MARTIN für den besten Kinder- und Jugendkrimi. Der MARTIN ist mit 2500 Euro dotiert.

Die Jury besteht aus fünf Krimiautoren. Drei Juroren des Glausers werden jedes Jahr auf der Hauptversammlung des Syndikats gewählt. Zwei weitere Plätze in der Jury gehen an die Gewinner des Vorjahres. Bei der Vergabe spielt es keine Rolle, ob das ausgezeichnete Buch von einem Autor geschrieben wurde, der im Syndikat Mitglied ist oder nicht.

Im Gegensatz zum DKP müssen die Verlage ihre Bücher einreichen. (Nur so nebenbei, weder Piper reichte Astrid Paprottas ›Die ungeschminkte Wahrheit‹ (Rang 1 DKP) noch Kiepenheuer & Witsch, Frank Schätzings ›Der Schwarm‹ (Rang 2 DKP) für den Glauser ein.) Im Übrigen muss der Autor des eingereichten Buches nicht im Syndikat sein, um den Preis zu gewinnen.

Die Juroren — in diesem Jahr waren es Gabriele Wolff, Norbert Horst, Dorle Gelbhaar, Klaus Dewes und ich — lesen die eingereichten Bücher. Auf der Jurysitzung, sie findet meistens Anfangs Februar statt, werden dann die Gewinner bestimmt. Die Preise selbst werden dann in einem spektakulären Event auf dem ›Tango Criminale‹ vergeben.

Alles Scheiße, oder was?

Nein, ganz und gar nicht. Nur nicht perfekt und sicher verbesserungswürdig.

Ich würde es gerne so fromulieren: Ich arbeite daran irgendwann sowohl den Deutschen Krimipreis als auch den Glauser zu gewinnen! — Macht sich gut im Lebenslauf und der Glauser füllt sogar die Kasse ein wenig auf!

Klotzen, Leute, nicht kleckern! Alles klar?

Alles Liebe aus dem sommerlichen Perth

Marcus Starck ... (Hier klicken um weiter zu lesen)

Montag, 7. Februar 2005

Ausreden

Ununterbrochen Strom, Western Power hat mittlerweile alle Schäden behoben. Seit einer Woche sind auch die Kurzen wieder in der Schule. Nur meine Kleinste ist noch hier. Seraphina ist jedoch extrem pflegeleicht.

Hier ist sie endlich: die Ruhe, auf die ich mich die letzten sechs Wochen so gefreut habe. Keiner streitet, keiner ruft: »Papaaaaaa Spinne« durchs Haus, um mir dann eine giftige Redback zu zeigen, die sich als harmloser Käfer entpuppt. Keiner der mit seinem Elektronikbaukasten alle Sicherungen zum Schmelzen bringt. Keiner der mich nervt, jetzt sind die Lehrer wieder dran. (Ja, ich schicke meine kleinen Monster nur zur Schule , um mich an den Lehrern zu rächen ;-)

Meine Schreibtischutensilien sind alle an ihrem Platz und auch das Papier im Drucker ist noch da. Nichts ist seither zu Bruch gegangen und auch der Fernsehapparat bekommt seine wohlverdiente Pause. Ehrlich ich gönn’ sie ihm.

Ein Wermutstropfen: jetzt habe ich keine Ausrede mehr nicht an »Die schwarzen Tränen der Sonne« zu arbeiten.

»Hey Seraphina, was machst du mit der Schere unter dem Schreibtisch. Nein, geh da weg. Lass das! Nein, mach das nicht! Seraphina nicht das Kab

[Mon 07. Feb 2005 8:41:32 (WST)] --
Warning!! Network Error 0815
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localhost.marcusstarck.com not longer online

FILETIME=[347B6FA0:01C50B6E]

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Sonntag, 6. Februar 2005

Friedrich Glauser — Bericht aus Bonn

Nach über 200 deutschen Krimis, die ich letztes Jahr gelesen habe, war es gestern soweit. Heiß ging es her, als sich die Glauser-Jury in Bonn traf, um die Besten der Besten auszuwählen. (Eine Liste der Einsendungen findet ihr auf der Website des Syndikats)

Die ganze Jury? Nein, nur vier Fünftel. Das fünfte Fünftel, ich, nahm 16.000 km entfernt, Mitternachts im Kerzenlicht an der Sitzung teil. Die Kerze hatte keine romantische Bedeutung, der Strom war ausgefallen, denn Western Power führt Reparaturarbeiten der Brandschäden Nachts aus. (Oder vielleicht hätte ich doch die Stromrechnung bezahlen sollen?) Die Jury hatte die Freisprecheinrichtung an und ich mischte per Telefon fest mit. (Übrigens, mit 01081 kann man aus Deutschland kostenlos ins australische Festnetz telefonieren.)

Heiß ging es her, jeder hatte seine Favoriten und hervorragende Argumente, warum gerade das eine Buch den Glauser oder Debüt-Glauser verdient hätte. Stundenlang am Telefon, lief ich immer wieder mit der Kerze in der Hand zu meinem Bücherregal — leise, damit ich die Kurzen nicht wecke —, um das eine oder andere Buch noch einmal zur Hand zu nehmen, blätterte hektisch durch meine Kurzrezensionen und gab überall meinen Senf dazu. Letztendlich waren wir uns alle einig.

Danke, Thomas Przybilka für die hervorragende Organistaion! Und auch an meine Jury Kollegen, Dorle Gelbhaar, Gabriele Wolff, Klaus Dewes und Norbert Horst, die jedes einzelne Buch gelesen haben: Es war ein toller Abend! Ich habe es sehr genossen, zumindest technisch bei euch zu sein. Ich freue mich darauf, euch alle auf der Criminale 2005 wieder zu sehen!

2004 war ein guter Jahrgang für den deutschen Krimi, egal was Wörtche, Gohlis & Co auch immer behaupten mögen!

Jetzt wäre es nur noch interessant zu erfahren, wer für den Glauser nominiert ist? Noch besser, wer ihn dieses Jahr bekommen wird? Mist, der Strom wird gleich wieder abgestellt ...
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Samstag, 5. Februar 2005

Was wäre wenn ...

...ich völlig betrunken nach einer Party von der australischen Polizei aufgegriffen werde. Ich tendiere unter Alkoholeinfluss deutsch zu sprechen. Wahrscheinlich würde ich in einem Detention Centre für illegale Einwanderer ausnüchtern. Wie lange würde es wohl dauern bis meine Süße mich dort rausholen könnte? (Meine ausgeprägte Fantasie ist berufsbedingt.)

Oder vielleicht ist das obige Szenario gar nicht so abwegig?

Annas oder besser Cornelia Raus Geschichte hat mich persönlich zutiefst erschüttert. Zwar habe ich mich im Rahmen der Recherchen zu meinem neuen Buch »Die schwarzen Tränen der Sonne« intensiv mit der Flüchtlingspolitik Australiens auseinandergesetzt, wäre aber niemals auf den Gedanken gekommen, dass ein Fall wie Cornelias möglich wäre. Bisher waren es »bloß« Flüchtlinge, die erschöpft an der Küste Australiens ankamen und nach einer horrenden Flucht, auf der Suche nach Freiheit und Sicherheit, erst einmal in ein Lager mitten in der Wüste weggesperrt wurden.

In den Lagern herrschen unvorstellbare Zustände. Die Internierten, ohnehin schon vom Schicksal schwer geschlagen, werden dort bis zu fünf Jahren festgehalten, um dann zu erfahren, dass ihr Antrag auf Asyl abgewiesen wurde und sie abgeschoben werden. Hungerstreiks, Selbstmordversuche und Aufstände, die von den Behörden rigoros und vor allem mit unnötiger Brutalität niedergeschlagen werden, sind an der Tagesordnung.

Das alles ist schon lange bekannt. Die unabhängige »Australian Human Rights Commission« untersuchte im Auftrag der Regierung die Zustände in den Lagern und stellte neben Menschenrechtsverletzungen auch eindeutige Verstöße gegen die 1990 von Australien unterzeichnete UN-Konvention zum Schutz des Kindes fest.

Jetzt kommt eine offensichtlich mental angeschlagene Deutsche in die Mühlen der Einwanderungsgesetze. Das Bedenkliche an Cornelia Raus Fall (Photo: Family Photo, Brendan Esposito, The Age): Sie hat sich keines Vergehens schuldig gemacht. Auch ein Visa-Vergehen konnte ihr nicht nachgewiesen werden, da man noch nicht einmal wusste, wer sie wirklich war. Trotzdem wurde sie ohne Anklage oder Urteil für über zehn Monate eingesperrt, obwohl sie eigentlich unter ärztlicher Betreuung in einem Krankenhaus sein sollte und nicht in einem Detention Centre.

DIMIA stufte sie bloß als widerspenstig und störrisch ein, verweigerte eine Untersuchung ihres psychischen Zustands und machte sich nicht einmal die Mühe eine Personenbeschreibung mit der Vermisstendatei der Polizei abzugleichen. Mir drängt sich in diesem Zusammenhang die Frage auf, wie viele psychisch angeschlagene Menschen in den Lagern festgehalten werden, da man offensichtlich nicht einmal in der Lage ist eine klassische Schizophrenie zu diagnostizieren.

Was mich erschreckt ist, dass mir, als australischen Staatsbürger mit österreichischen Hintergrund, dasselbe jederzeit widerfahren könnte — oder jedem deutschen Permanent Resident, jedem ausländischen Touristen!

Ein psychisches Trauma, aus welchem Grund auch immer. Die Polizei denkt zu allererst an Ausländer ohne Visum, und ab geht es nach Baxter, Villawood oder Port Hedland. Das ist, ehrlich gesagt, äußerst bedenklich.

Cornelia Rau wünsche ich alles Gute und gute Besserung!

PS: Das wird das letzte Posting zum Thema Cornelia sein. Diese Geschichte hatte zum Glück ein beinahe Happy End. Vanstone & Co haben ein Ei im Gesicht und eine Menge lästiger Fragen zu beantworten.

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Freitag, 4. Februar 2005

Annas Identität geklärt!!

Sie ist deutsche Staatsbürgerin und hat Permanent Resident Status in Australien. Sie ist psychisch krank und aus einem Krankenhaus geflohen, weil sie das Eingesperrt sein nicht mehr aushielt. Ihr Name ist Cornelia. In dem Augenblick in dem ich diese Zeilen tippe sitzt Cornelia bereits im Flugzeug nach Hause.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die mich mit Informationen versorgt und mich dabei unterstützt haben, die wirkliche Identität Annas zu finden. Ihr habt ihr damit sehr gehofen!

From: "Pamela Curr" pcurr@netspace.net.au
To: Marcus@MarcusStarck.com
Subject: Anna/Cornelia family found
Date: Fri, 4 Feb 2005 11:41:38 +1100

Marcus - You were right

Anna - real name Cornelia - family have found her as a result of the Age article.

She is not an asylum seeker.She is mentally ill and has been listed as a missing person since September. She has lived in Australia since she was a baby-18months old. Her family listed her as a missing person in September last year.

She has been locked up in isolation in Baxter-getting sicker and sicker.

Her advocates have been the most vulnerable people in Australia today-firstly the Aborigines who found her in a distressed state and tried to get help for her in North Queensland by taking her to the police who instead of checking the missing person register and photos, handed her over to immigration who flew her to Port Augusta and locked her up in isolation in Baxter.Anna was in a psychotic state and her greatest fear was to be locked up. The terrible consequence was that instead of a psychiatric hospital , she found herself in an isolation room in Management at Baxter, under 24 hour lights and then in RED ONE locked up for 20 hours per day.

What happened to Anna is not only a tragedy but an indictment on human rights in Australia today.

Pamela Curr
ASRC Campaign Coordinator

"You can judge politicians by how they treat refugees; they do to them what they would do to everyone else if they could get away with it".
Ken Livingstone, Mayor of London



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Donnerstag, 3. Februar 2005

Noch einmal Anna

Mittlerweile ist es mir gelungen eine grobe Personenbeschreibung der myseriösen Anna zu erhalten und ein wenig Licht in die verworrene Geschichte zu bringen.

Im November 2004 wurde im Raum Cairns (Nord Queensland) eine offenbar verwirrte Frau von der Polizei aufgegriffen. Sie hatte keine Papiere bei sich und war nicht in der Lage, mit den Behörden zu kooperieren. Sie gab an sei deutsche Staatsangehörige und nannte zwei Namen. Anna Brodermeier aus München und Anna Schmidt aus Dresden. Anna ist um die dreißig Jahre alt, ca. 160 cm groß, hat einen kräftigen Körperbau und macht einen sportlichen Eindruck. Sie hat mittellanges blondes Haar, spricht akzentfreies Hochdeutsch und außerdem perfektes australisches Englisch. Es ist fraglich, ob eine Personenbeschreibung mit der Vermisstendatei der australischen Polizei abgeglichen wurde.


Ein Vertreter des deutschen Konsulats in Brisbane besuchte Anna im Polizeigewahrsam, konnte aber ihre Identität nicht klären. Anna wurde keines Vergehens beschuldigt, jedoch der Einwanderungsbehörde übergeben, die sie als illegale Immigrantin ohne gültiges Visa einstufte und am 29. November 2004 in das südaustralische Internierungslager Baxter überführte.

Pamela Curr vom „Asylum Seeker Resource Centre“ in Melbourne schildert, dass die mental stark angeschlagene Frau seither 18 Stunden am Tag in Isolierungshaft sei und nur sechs Stunden am Tag Freigang hätte. „Uns liegen Berichte vor, dass Anna psychotische Symptome zeigt. So spricht sie zum Beispiel die meiste Zeit mit sich selbst, kreischt und brüllt vor Angst über längere Zeiträume, vor allem, wenn sie in ihrer Zelle ist. Sie vermeidet Augenkontakt und kommuniziert mit niemanden, obwohl sie in der Lage ist, englisch zu sprechen“, so Pamela Curr.


Ein Vertreter des für Baxter zuständigen deutschen Konsulats in Melbourne äußerte, dass man zwar starkes Mitgefühl mit Anna habe und helfen wolle, sich jedoch in einer völkerrechtlichen Zwickmühle befände. Dem Generalkonsul Thomas Kessler seien die Hände gebunden: „Nach internationalem Recht können wir nur intervenieren, wenn eindeutig feststeht, dass sie deutsche Staatsbürgerin ist, doch dieser Nachweis konnte bis jetzt nicht erbracht werden.“

Auch andere Hilfsorganisationen für Flüchtlinge und Asylsuchende haben versucht, der Frau zu helfen und einen Anwalt zu stellen. Doch bis vor kurzem hat Anna sich geweigert, eine entsprechende Vollmacht zu unterzeichnen.

Eine eingehende ärztliche Untersuchung des psychischen Zustand Annas ist bis heute nicht erfolgt. Eine Sprecherin der australischen Einwanderungsministerin Amanda Vanstone teilte auf Anfrage mit, dass die Ministerin individuelle Fälle nicht kommentieren könne.

Die ehemalige Diplomatin Alanna Sherry, Koordinatorin der Menschenrechtsorganisation „ChilOut“, (Children Out of Detention) und Mitautorin des Berichts „A last Resort“ der HREOC stellt die Frage: „Wer ist Anna? Eine deutsche/österreichische/schweizer Touristin, die ihr Visum überzogen hat? Eine deutschstämmige Australierin, die nach einem traumatischen Erlebnis eine psychotische Episode durchmacht und in die Sprache ihrer Kindheit zurückgefallen ist? Anna gehört in ein Krankenhaus mit ärztlicher Betreuung, nicht in eine Einzelzelle mit bewaffnetem Wachpersonal. Hierbei handelt es sich um das letzte Glied in einer langen Kette von Beispielen, für die verheerenden Auswirkungen des australischen Systems der Zwangsinhaftierung, das vorschreibt jeden, selbst mental Kranke oder sogar Babys teilweise über Jahre in Hochsicherheitsgefängnissen wegzusperren, nur weil die Papiere nicht in Ordnung waren.“

Nach einer Entscheidung des höchsten australischen Gerichts kann die australische Regierung eine Person lebenslang in einem Internierungslager festhalten, wenn kein Ursprungsland festgestellt werden kann, in das man diese Person abschieben könnte. Stephen Kan zum Beispiel sitzt schon seit sieben Jahren in australischen Internierungslagern und wird wahrscheinlich sein Leben lang eingesperrt sein, ohne jemals ein Verbrechen begangen zu haben. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Schicksal Anna BX8311 erspart bleibt.

Informationen zur Identität Annas oder andere sachdienliche Hinweise bitte an Pamela Curr vom „Asylum Seeker Resource Centre“ in Melbourne 0061-41-7517075 oder per E-mail an pcurr@Netspace.net.au.
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Mittwoch, 2. Februar 2005

Skimpy Barmaids

Gestern, Männerabend bei Paul, ein paar Freunde, Barbecue, Wein, sternklarer Himmel, eine warme Sommernacht. Nachdem ich Tom, einem amerikanischen Besucher, den ein Freund mitgebracht hatte, erzählte, worin es in meinem neuen Buch »Die schwarzen Tränen der Sonne« eigentlich geht, fing alles an.

Keine Ahnung wie wir von hier zu Anna und dann über australische Detention Centres zu dem im rechten Mittelfeld spielenden John Howard und von dort über rechts außen George W. Bush letztendlich ganz weit rechts von der Skala fielen und beim Dritten Reich ankamen. Nach drei Flaschen Wein im flackernden Zitronelia Kerzenlicht werden solche Gespräche erfahrungsgemäß immer interessanter.

»Wie kommst du darauf, dass die Nazis politisch rechts standen?«, wollte Tom wissen.

»Wie bitte?«, fragte Paul und ich dachte: »oh oh jetzt kommt ein geschmackloser Witz.«

»Na, Nationalsozialisten«, Tom machte ein kurze Pause. Wir sahen ihn fragend an, warteten auf seine Pointe. »Nationalozialistische deutsche Arbeiterpartei? Hallo, jemand zu Hause? Versteht ihr nicht? National ... Sozialisten? Sozialisten stehen doch immer politisch links!«

Wir wechselten das Thema und sprachen nur noch über Skimpy Barmaids, Autos, Boote und Fischen.
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Dienstag, 1. Februar 2005

Peter Scott

Immer mehr entwickle ich mich zu Peter Scott. Er lebt in meinem Kopf, ich werde er, denke wie er, handle wie er, spreche wie er, recherchiere wie er, bin zynisch wie er, selbst seine Depressionen verfolgen mich. Oder ist Peter Scott ich, war immer ich, wurde nur von mir bisher nicht herausgelassen?

Dabei sind wir uns gar nicht ähnlich. Peter ist Anfang siebzig, ein Fotograf, denkt in Bildern und mag keine Menschen. Lese ich jedoch die letzten Einträge in meinem Blog sehe ich, dass er bereits von mir Besitz ergriffen hat. Seine Augen blicken mich vorwitzig an, wenn ich mir im Spiegel begegne.

Er würde unkonventionelle Wege gehen die wahre Identität Annas herauszufinden. Ich dagegen laufe immer wieder gegen eine Wand. So, wie es aussieht gibt es nicht einmal eine genaue Personenbeschreibung von Anna, von einem Foto ganz zu schweigen. Erstaunlich wenige Menschen haben sie wirklich gesehen. Wie will man den Hintergrund einer Person herausfinden, die man nicht einmal beschreiben kann? Wonach soll man suchen? Sie ist real, sie existiert wirklich. Ich habe versucht sie heute in Baxter anzurufen. Anna wollte nicht mit mir reden.

Peter Scott ist nicht real, ich habe ihn erschaffen. Nein, nicht wie Gott Adam aus Lehm und Staub, ich quälte dazu die Tatstatur an meinem Computer. Je mehr Tasten ich bis zum Anschlag durchhämmerte, desto klarer wurde das Bild des Protagonisten in meinem neuen Buch »Die schwarzen Tränen der Sonne«. Peter erzählt seine Geschichte aus seiner Perspektive. Peter entwickelte ein Eigenleben, wurde mit jedem Tastenschlag stärker. Erst habe ich ihn kreiert, ihm die Richtung vorgegeben, seine Schwächen und Stärken, seine Wünsche, Träume und Ängste definiert. Doch jetzt übernimmt er immer mehr die die Führung. Peter weiß was er will. Ich bin sein Protagonist, seine Figur auf dem Schachbrett. Heute hat er sogar angefangen mit mir zu sprechen.

Gibt es einen schöneren Beruf als Schriftsteller? ... (Hier klicken um weiter zu lesen)